Liebe vergeht – Fraktion besteht!

Wie zerschellt man möglichst schnell an den Strukturen in der Politik? Widersprüche und Herausforderungen für Bundestagsabgeordnete


Artikel in der Zeitschrift: Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO)


Zusammenfassung

Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Die Abgeordneten des Bundestages sind nach dem Grundgesetz „Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“. Die Macht im Deutschen Bundestag konzentriert sich in den Fraktionen. Eine Schlüsselfrage des politischen Systems ist daher, wie viele Freiheiten die Abgeordneten unter dem Dach ihrer Fraktionen haben, wie sehr Ordnung und Hierarchie der Fraktionen die Spielräume der Parlamentarier einengen, kurz wie demokratisch es in den Fraktionen zugeht. Dieser Beitrag in der Zeitschrift Gruppe. Interaktion. Organisation beleuchtet, wie die meist ungeschriebenen Regeln und Strukturen des Bundestags die Arbeit und Entscheidungen der Abgeordneten beeinflussen. Er analysiert die Spannungsfelder Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Kooperation und Wettbewerb sowie Macht und Ohnmacht und diskutiert deren Auswirkungen auf das demokratische System innerhalb der Organisation Bundestag. Diese Spannungsfelder sind kein Entweder-oder, sondern Pole zwischen denen sich die Abgeordneten je nach Problem, Situation und Kontext täglich bewegen müssen. Abgeordnete können nur dann erfolgreich sein, wenn sie in der Lage sind, sich zwischen diesen Polen möglichst souverän zu bewegen, wenn sie mit und in Widersprüchen leben und folglich ein höchst mögliches Maß an Flexibilität und Ambiguitätstoleranz aufbringen.

Schlüsselwörter

Spannungsfelder, Organisationsstrukturen, Politische Interaktion, Coaching, Politik, Bundestag